____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Zweikörperproblem
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
In der Physik bezeichnet man als Zweikörperproblem die Aufgabe, die Bewegung zweier Körper zu berechnen, die ohne zusĂ€tzliche Ă€uĂere EinflĂŒsse nur miteinander wechselwirken. Sie bilden ein Zweikörpersystem. Ein typischer Fall ist der StoĂ zweier Körper, soweit man alle weiteren eventuell vorhandenen Ă€uĂeren KrĂ€fte wenigstens kurzzeitig vernachlĂ€ssigen kann. Ein anderer typischer Fall ist ein Zweikörpersystem, in dem die beiden Körper sich gegenseitig mit einer Kraft anziehen oder abstoĂen, die parallel zur Verbindungslinie zwischen den Körpern wirkt, und deren StĂ€rke umgekehrt proportional zum Quadrat ihres Abstandes ist. Es folgen zwei Beispiele fĂŒr den zuletzt genannten Fall.
Erstes Beispiel: Das Zweikörperproblem in der Astronomie. Es beschreibt zwei Himmelskörper, die sich gegenseitig mit der Gravitationskraft anziehen. Oft sind diese Objekte aneinander gebunden und bewegen sich umeinander, beispielsweise im Erde-Mond-System oder bei Doppelsternen. Bei sehr unterschiedlichen Massen wird der gröĂere auch Zentralkörper genannt.
Zweites Beispiel: Zwei geladene Teilchen, die sich durch die elektrostatische Kraft anziehen oder abstoĂen. Zwei konkrete Beispiele dafĂŒr sind: Erstens: Proton und Elektron im Wasserstoffatom, Zweitens: Alphateilchen beim StoĂ mit einem Atomkern.
Contents
âą Energieerhaltung
âą Bahnkurve
âą Zeitparameter
⹠Mehrere Körper
⹠Störungstheorie
âą FuĂnoten
âą Einzelnachweise
âą Literatur
âą Weblinks
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Astronomie, Mechanik, Elektrostatik
Das Zweikörperproblem in der Astronomie wird auch als Keplerproblem bezeichnet, weil Johannes Kepler in den drei nach ihm benannten Gesetzen als Erster die genaue Form der Bewegung fĂŒr gebundene Zweikörpersysteme angeben konnte. Ihre Herleitung ist eine Standardaufgabe der klassischen Mechanik, die zuerst von Isaac Newton gelöst wurde.cite-ref-1[1]
Die nach der klassischen Mechanik berechneten Bewegungen zeigen sich auch dann, wenn zusĂ€tzliche Ă€uĂere KrĂ€fte wirken, diese sich aber fĂŒr jeden der beiden Körper gerade aufheben. Ein Beispiel ist das reibungsfreie Gleiten zweier schwerer Körper auf einer horizontalen FlĂ€che, die die GewichtskrĂ€fte gerade neutralisiert, z. B. (nĂ€herungsweise) beim Paarlaufen auf dem Eis oder beim StoĂ zweier gleitender oder rollender Körper. Auch wenn das Zweikörpersystem sich in einem homogenen Schwerkraftfeld befindet, gelten in seinem Schwerpunktsystem die Gesetze des Zweikörperproblems.
Mit einem elektrostatischen Kraftfeld hat das Keplerproblem dieselben Lösungen wie mit der Gravitation. Da die Anwendungen sich hier aber vor allem auf das Innere von Atomen beziehen (siehe Bohr-Sommerfeldsches Atommodell), ist die Quantennatur der atomaren Teilchen zu berĂŒcksichtigen. Daher ist fĂŒr eine befriedigende Darstellung das quantenmechanische Zweikörperproblem zu lösen. Dies zeigt im Fall zweier ununterscheidbarer Teilchen, z. B. beim StoĂ zweier Elektronen oder zweier gleicher Atomkerne, ein grundsĂ€tzlich anderes Verhalten als nach der klassischen Mechanik.
Das klassische Problem
Da nur die zwei Körper (Massen m 1 , m 2 {\displaystyle m_{1},m_{2}} , Orte x â â 1 , x â â 2 {\displaystyle {\vec {x}}_{1},\ {\vec {x}}_{2}} ) aufeinander einwirken, lauten die Bewegungsgleichungen
m 1 x â â š š 1 = F â â 1 , 2 {\displaystyle m_{1}{\ddot {\vec {x}}}_{1}={\vec {F}}_{1,2}} ,
m 2 x â â š š 2 = F â â 2 , 1 {\displaystyle m_{2}{\ddot {\vec {x}}}_{2}={\vec {F}}_{2,1}} .
Dabei können die KrĂ€fte F â â 1 , 2 , F â â 2 , 1 {\displaystyle {\vec {F}}_{1,2},\ {\vec {F}}_{2,1}} nach dem RelativitĂ€tsprinzip nur von der relativen Position der Körper zueinander abhĂ€ngen. Der Vektor r â â := x â â 1 â â x â â 2 {\displaystyle {\vec {r}}:={\vec {x}}_{1}-{\vec {x}}_{2}} beschreibt die Lage des zweiten Körpers relativ zum ersten, der Vektor R â â {\displaystyle {\vec {R}}} ist der Ortsvektor des Schwerpunkts oder Baryzentrums des Systems. Zudem sind die beiden KrĂ€fte nach dem 3. Newtonschen Axiom entgegengesetzt gleich
F â â 1 , 2 = â â F â â 2 , 1 =: F â â ( r â â ) {\displaystyle {\vec {F}}_{1,2}=-{\vec {F}}_{2,1}\ =:{\vec {F}}({\vec {r}})}
Ăbergang zum Ă€quivalenten Einkörperproblem
Man rechnet nun in Relativ- und Schwerpunktkoordinaten (siehe Abbildung):
r â â = x â â 1 â â x â â 2 {\displaystyle {\vec {r}}={\vec {x}}_{1}-{\vec {x}}_{2}}
R â â = m 1 x â â 1 + m 2 x â â 2 M {\displaystyle {\vec {R}}={\frac {m_{1}{\vec {x}}_{1}+m_{2}{\vec {x}}_{2}}{M}}} ( M = m 1 + m 2 {\displaystyle M=m_{1}+m_{2}} ist die Gesamtmasse.)
Durch Addition geeigneter Vielfacher der beiden obigen Bewegungsgleichungen erhÀlt man nun zwei entkoppelte Bewegungsgleichungen:
R â â š š = 0 {\displaystyle {\ddot {\vec {R}}}=0}
r â â š š = ( 1 m 1 + 1 m 2 ) F â â 1 , 2 {\displaystyle {\ddot {\vec {r}}}=\left({\frac {1}{m_{1}}}+{\frac {1}{m_{2}}}\right){\vec {F}}_{1,2}}
Die erste Gleichung besagt, dass der Massenschwerpunkt eine geradlinig gleichförmige Bewegung beschreibt, wie es auch aus dem allgemeinen Schwerpunktsatz zu folgern ist. Die zweite Gleichung wird umformuliert zu
ÎŒ ÎŒ r â â š š = F â â ( r â â ) , {\displaystyle \mu \ {\ddot {\vec {r}}}={\vec {F}}({\vec {r}}),}
wobei
ÎŒ ÎŒ = ( 1 m 1 + 1 m 2 ) â â 1 = m 1 m 2 M {\displaystyle \mu =\left({\frac {1}{m_{1}}}+{\frac {1}{m_{2}}}\right)^{-1}={\frac {m_{1}m_{2}}{M}}}
als die reduzierte Masse des Zweikörperproblems bezeichnet wird. ÎŒ ÎŒ {\displaystyle \mu } ist stets kleiner als die kleinere der beiden Massen, und nĂ€hert sich ihr an, wenn die gröĂere Masse gegen unendlich strebt. Diese Bewegungsgleichung besagt, dass die Relativkoordinate r â â ( t ) {\displaystyle {\vec {r}}(t)} sich so verhĂ€lt, als ob ein Körper der Masse ÎŒ ÎŒ {\displaystyle \mu } sich in einem ortsfesten Kraftfeld F â â ( r â â ) {\displaystyle {\vec {F}}({\vec {r}})} bewegt. Dies ist das Ă€quivalente Einkörperproblem. FĂŒr alle FĂ€lle, in denen die StĂ€rke der Kraft von einer Potenz des Abstandes r {\displaystyle r} abhĂ€ngt, ist es zuerst von Newton gelöst worden.
Gemeinsame Bewegung
Nachdem das Einkörperproblem durch die Bahnkurve r â â ( t ) {\displaystyle {\vec {r}}(t)} gelöst ist und die Bewegung des Schwerpunktes R â â ( t ) {\displaystyle {\vec {R}}(t)} ebenfalls bekannt ist, kann man wieder in die ursprĂŒnglichen Koordinaten umrechnen:
x â â 1 ( t ) = R â â ( t ) + m 2 M r â â ( t ) {\displaystyle {\vec {x}}_{1}(t)={\vec {R}}(t)+{\frac {m_{2}}{M}}{\vec {r}}(t)}
x â â 2 ( t ) = R â â ( t ) â â m 1 M r â â ( t ) {\displaystyle {\vec {x}}_{2}(t)={\vec {R}}(t)-{\frac {m_{1}}{M}}{\vec {r}}(t)}
Im Schwerpunktsystem betrachtet (mathematisch, indem man eine Koordinatentransformation, genauer eine Verschiebung, um R â â {\displaystyle {\vec {R}}} anwendet), bewegen sich also beide Körper um den Schwerpunkt, der stets auf ihrer Verbindungslinie liegt, und beschreiben zwei zur Kurve r â â ( t ) {\displaystyle {\vec {r}}(t)} Ă€hnliche Kurven, deren GröĂenverhĂ€ltnis durch das reziproke MassenverhĂ€ltnis bestimmt ist. Durch zweimaliges Differenzieren von x â â 1 ( t ) {\displaystyle {\vec {x}}_{1}(t)} und Einsetzen von r â â = M m 2 x â â 1 {\displaystyle {\vec {r}}={\tfrac {M}{m_{2}}}{\vec {x}}_{1}} sieht man, dass fĂŒr den ersten Körper die Bewegungsgleichung
m 1 x â â š š 1 = F â â e f f ( x 1 ) {\displaystyle m_{1}{\ddot {\vec {x}}}_{1}={\vec {F}}_{\mathrm {eff} }(x_{1})}
erfĂŒllt ist, als ob der Körper sich in einem effektiven Kraftfeld
F â â e f f ( x â â 1 ) = F â â ( M m 2 x â â 1 ) {\displaystyle {\vec {F}}_{\mathrm {eff} }({\vec {x}}_{1})={\vec {F}}\left({\frac {M}{m_{2}}}{\vec {x}}_{1}\right)}
bewegen wĂŒrde, dessen Zentrum ortsfest am Schwerpunkt bleibt und dessen StĂ€rke mit dem wirklichen Kraftfeld in einer durch das MassenverhĂ€ltnis bestimmten gröĂeren Entfernung ĂŒbereinstimmt â genauso fĂŒr den anderen Körper.
Wenn sich der Schwerpunkt selbst geradlinig und gleichförmig bewegt, und weitere geeignete Startbedingungen erfĂŒllt sind, dann beschreiben die Bahnen der beiden Körper eine Art âSchlangenkurveâ um die Bahn des Schwerpunktes. In der Astronomie erlaubt diese sogenannte Taumelbewegung eine indirekte Beobachtung unsichtbarer Begleiter von Sternen wie z. B. Exoplaneten.
Drehimpulserhaltung
Die Kraft F â â 1 , 2 = â â F â â 2 , 1 = F â â ( r â â ) {\displaystyle {\vec {F}}_{1,2}=-{\vec {F}}_{2,1}={\vec {F}}({\vec {r}})} liegt parallel zur Verbindungslinie r â â {\displaystyle {\vec {r}}} (entsprechend der Problemdefinition), deshalb ist sie eine Zentralkraft und ĂŒbt kein Drehmoment auf den umlaufenden Körper aus, denn dieses ist durch das Vektorprodukt von Radiusvektor und Kraft gegeben:
r â â Ă Ă F â â = 0 {\displaystyle {\vec {r}}\times {\vec {F}}=0}
Daher ist der Drehimpuls L â â = r â â Ă Ă p â â {\displaystyle {\vec {L}}={\vec {r}}\times {\vec {p}}} nach Betrag und Richtung zeitlich konstant. Er ist ein Integral der Bewegung. Somit erfolgt die Bewegung in einer festen Ebene, denn die Vektoren r â â {\displaystyle {\vec {r}}} und p â â = ÎŒ ÎŒ r Ë Ë â â {\displaystyle {\vec {p}}=\mu {\vec {\dot {r}}}} liegen stets in der Ebene senkrecht zu L â â {\displaystyle {\vec {L}}} .
Aus der Konstanz des Drehimpulses folgt auch das 2. Keplersche Gesetz oder der FlĂ€chensatz, der also fĂŒr jedes Zentralkraftfeld gilt.
In ebenen Polarkoordinaten zerfÀllt die vektorielle Bewegungsgleichung des Einkörperproblems in zwei gekoppelte gewöhnliche Differentialgleichungen:
r š š â â r Ï Ï Ë Ë 2 = â â 1 ÎŒ ÎŒ F ( r ) {\displaystyle {\ddot {r}}-r{\dot {\varphi }}^{2}=-{\frac {1}{\mu }}F(r)}
d d t ( ÎŒ ÎŒ r 2 Ï Ï Ë Ë ) = 0 {\displaystyle {\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} t}}(\mu r^{2}{\dot {\varphi }})=0}
Die zweite dieser Gleichungen zeigt noch einmal die Erhaltung des Drehimpulses L {\displaystyle L} , denn
L = ÎŒ ÎŒ r 2 Ï Ï Ë Ë {\displaystyle L=\mu r^{2}{\dot {\varphi }}}
Energieerhaltung
FĂŒr das Keplerproblem im engeren Sinn ist die Kraft durch die Gravitation gegeben:
F ( r ) = â â G m 1 m 2 r 2 {\displaystyle F(r)=-G{\frac {m_{1}m_{2}}{r^{2}}}}
Verwendet man die Definition des Drehimpulses in Polarkoordinaten, um aus der anderen Differentialgleichung die Winkelgeschwindigkeit Ï Ï Ë Ë {\displaystyle {\dot {\varphi }}} zu eliminieren, erhĂ€lt man ein Gesetz fĂŒr den Abstand r {\displaystyle r} , die Radialgleichung
r š š â â L 2 ÎŒ ÎŒ 2 r 3 = â â 1 ÎŒ ÎŒ F ( r ) = â â G M r 2 . {\displaystyle {\ddot {r}}-{\frac {L^{2}}{\mu ^{2}r^{3}}}=-{\frac {1}{\mu }}F(r)=-{\frac {GM}{r^{2}}}.}
Dies kann nach Multiplikation mit r Ë Ë {\displaystyle {\dot {r}}} und ÎŒ ÎŒ {\displaystyle \mu } in der Form
d d t ( ÎŒ ÎŒ 2 r Ë Ë 2 + L 2 2 ÎŒ ÎŒ r 2 â â G M ÎŒ ÎŒ r ) = 0 {\displaystyle {\frac {\mathrm {d} }{\mathrm {d} t}}\left({\frac {\mu }{2}}{\dot {r}}^{2}+{\frac {L^{2}}{2\mu r^{2}}}-{\frac {GM\mu }{r}}\right)=0}
geschrieben werden. Die drei Summanden in dieser Gleichung entsprechen der Reihenfolge nach dem Radialanteil der kinetischen Energie, dem Winkelanteil der kinetischen Energie, der als Zentrifugalpotential wie eine potentielle Energie die Radialbewegung beeinflusst, sowie der potentiellen Energie des Körpers im Ă€uĂeren Zentralpotential. Gemeinsam ergeben sie seine Gesamtenergie
E = ÎŒ ÎŒ 2 r Ë Ë 2 + L 2 2 ÎŒ ÎŒ r 2 â â G M ÎŒ ÎŒ r , {\displaystyle E={\frac {\mu }{2}}{\dot {r}}^{2}+{\frac {L^{2}}{2\mu r^{2}}}-{\frac {GM\mu }{r}}\ ,}
die laut obiger Gleichung zeitlich konstant und somit ebenfalls ein Integral der Bewegung ist. Die Gesamtenergie muss natĂŒrlich schon allein deshalb erhalten sein, weil es sich bei einem Gravitationsfeld um ein konservatives Feld handelt. Siehe auch den Artikel Spezifische Bahnenergie, der sich nĂ€her damit befasst.
Bahnkurve
Kegelschnittform
Gibt man die Werte fĂŒr die beiden Integrale der Bewegung E {\displaystyle E} und L {\displaystyle L} vor, so lĂ€sst sich die Bewegungsgleichung lösen, indem man zunĂ€chst die radiale Bewegung r ( t ) {\displaystyle r(t)} aus der Form des Energieintegrals (letzte Gleichung im obigen Abschnitt) und sodann die Winkelbewegung Ï Ï ( t ) {\displaystyle \varphi (t)} aus dem Drehimpulsintegral L = ÎŒ ÎŒ r 2 Ï Ï Ë Ë {\displaystyle L=\mu r^{2}{\dot {\varphi }}} berechnet. Allerdings fĂŒhrt dieser Weg auf Gleichungen, die man als unanschaulich bezeichnen kann, da man ihnen die Form der Bahn nicht direkt ansehen kann.
Daher ist es ĂŒblich, entweder die Radialgleichung oder das Energieintegral zunĂ€chst in eine Differentialgleichung nach dem Winkel Ï Ï {\displaystyle \varphi } anstelle der Zeit umzuformen. Man nimmt also r {\displaystyle r} als Funktion von Ï Ï {\displaystyle \varphi } an und betrachtet r âČ := d r d Ï Ï = r Ë Ë Ï Ï Ë Ë {\displaystyle r':={\tfrac {\mathrm {d} r}{\mathrm {d} \varphi }}={\tfrac {\dot {r}}{\dot {\varphi }}}} , die Ableitung von r {\displaystyle r} nach dem Winkel Ï Ï {\displaystyle \varphi } . Hier wird der zweite Weg, der das Energieintegral verwendet, vorgestellt.cite-ref-polar-2-0[A 1]
Mit der Energiegleichung aus dem vorigen Abschnitt und indem man r Ë Ë {\displaystyle {\dot {r}}} durch r âČ Ï Ï Ë Ë {\displaystyle r'{\dot {\varphi }}} und Ï Ï Ë Ë {\displaystyle {\dot {\varphi }}} mit Hilfe der Drehimpulsgleichung durch L ÎŒ ÎŒ r 2 {\displaystyle {\tfrac {L}{\mu r^{2}}}} ersetzt, erhĂ€lt man so:
E = L 2 2 ÎŒ ÎŒ r 2 ( r âČ 2 r 2 + 1 ) â â G M ÎŒ ÎŒ r {\displaystyle E={\frac {L^{2}}{2\mu r^{2}}}\left({\frac {r'^{2}}{r^{2}}}+1\right)-{\frac {GM\mu }{r}}}
Die Bahnkurve, die diese Gleichung löst, ist, wenn man die WillkĂŒr in der Wahl des Winkels Ï Ï {\displaystyle \varphi } so ausnutzt, dass der gröĂte oder kleinste Abstand vom Zentrum bei Ï Ï = 0 {\displaystyle \varphi =0} liegt, von der Form
r ( Ï Ï ) = p 1 + Δ Δ cos âĄ âĄ Ï Ï , {\displaystyle r(\varphi )={\frac {p}{1+\varepsilon \cos \varphi }}\ ,}
wobei man durch Einsetzen nachrechnen kann, dass fĂŒr die beiden Parameter p = L 2 G M ÎŒ ÎŒ 2 {\displaystyle p={\tfrac {L^{2}}{GM\mu ^{2}}}} und Δ Δ 2 = 2 E L 2 G 2 M 2 ÎŒ ÎŒ 3 + 1 {\displaystyle \varepsilon ^{2}={\tfrac {2E\,L^{2}}{G^{2}M^{2}\mu ^{3}}}+1} gelten muss. Dies ist die Gleichung eines Kegelschnitts mit numerischer ExzentrizitĂ€t Δ Δ {\displaystyle \varepsilon } (wobei Δ Δ â„ â„ 0 {\displaystyle \varepsilon \geq 0} gewĂ€hlt werden kann, denn der Wechsel Δ Δ â â â â Δ Δ {\displaystyle \varepsilon \rightarrow -\varepsilon } ist Ă€quivalent zu Ï Ï â â Ï Ï + Ï Ï {\displaystyle \varphi \rightarrow \varphi +\pi } ).
Ellipse
Ist die Gesamtenergie negativ, dann gilt Δ Δ < 1 {\displaystyle \varepsilon <1} und die Bewegung ist gebunden, d. h., es gibt einen maximalen Abstand (Apoapsis) p / ( 1 â â Δ Δ ) {\displaystyle p/(1-\varepsilon )} vom Zentrum. Es handelt sich bei der Bahn in diesem Fall um eine Ellipse, in deren einem Brennpunkt das Zentrum liegt und deren groĂe Halbachse a = p / ( 1 â â Δ Δ 2 ) {\displaystyle a=p/(1-\varepsilon ^{2})} ist. Dies ist das erste keplersche Gesetz (der Ellipsensatz). Dass die Bahnkurve des gebundenen Zustands immer geschlossen ist, ist bei radialsymmetrischen Kraftfeldern ein Spezialfall, der sonst nur noch beim 2- oder 3-dimensionalen harmonischen Oszillator vorkommt, dessen Kraftfeld proportional zum Abstand vom Zentrum wĂ€chst.
Hyperbel
Ist die Gesamtenergie positiv, so ist Δ Δ > 1 {\displaystyle \varepsilon >1} und die Bahn ist der Ast einer Hyperbel, die sich in gröĂerer Entfernung vom Zentrum zunehmend an die Asymptoten anschmiegt. Der kleinste Abstand vom Zentrum ist p / ( 1 + Δ Δ ) {\displaystyle p/(1+\varepsilon )} . Solche Bahnen kommen bei Kometen und StoĂprozessen vor. Die halbe Nebenachse b {\displaystyle b} ist dann der StoĂparameter, also der kleinste Abstand zum Zentrum, der bei geradlinigem Anflug erreicht werden wĂŒrde. Der Ablenkwinkel zwischen den praktisch geradlinigen BahnstĂŒcken lange vor bzw. nach der gröĂten AnnĂ€herung ergĂ€nzt den Winkel zwischen den Asymptoten zu 180 o {\displaystyle 180^{o}} .
Parabel
Der Grenzfall mit Energie E = 0 {\displaystyle E=0} und Δ Δ = 1 {\displaystyle \varepsilon =1} ist der einer Parabel, deren kleinster Abstand vom Zentrum p / 2 {\displaystyle p/2} ist.
Energie und Entartung
Die Hauptachse a {\displaystyle a} der Ellipse legt bereits die Energie fest. Setzt man nĂ€mlich im obigen Ausdruck fĂŒr die groĂe Halbachse a {\displaystyle a} die Parameter p {\displaystyle p} und Δ Δ 2 {\displaystyle \varepsilon ^{2}} ein, erhĂ€lt man nach Umstellung:cite-ref-3[2]
E = â â G M ÎŒ ÎŒ 2 a {\displaystyle E=-{\frac {GM\mu }{2a}}}
Daher sind alle Bahnen mit gleicher Hauptachse energetisch entartet, gleich welche ExzentrizitÀt oder kleine Halbachse sie haben.
Zeitparameter
Um bei bekannter Bahn r ( Ï Ï ) {\displaystyle r(\varphi )} die zeitliche Bewegung Ï Ï ( t ) {\displaystyle \varphi (t)} zu erhalten, kann man aus dem Drehimpulsintegral die Funktion Ï Ï ( t ) {\displaystyle \varphi (t)} bestimmen. Dies fĂŒhrt durch Integration auf eine Funktion t ( Ï Ï ) {\displaystyle t(\varphi )} , die noch invertiert werden muss. Eine anschauliche Methode, um die Funktion Ï Ï ( t ) {\displaystyle \varphi (t)} zu erhalten, ist die von Kepler gefundene Kepler-Gleichung. Dieser Methode liegt der keplersche FlĂ€chensatz zugrunde, d. h., ihre physikalische Grundlage bildet ebenfalls das Drehimpulsintegral. Die ZeitabhĂ€ngigkeit der Bahnkurve fĂŒhrt allerdings auĂer in den SpezialfĂ€llen Δ Δ = 0 {\displaystyle \varepsilon =0} und Δ Δ = 1 {\displaystyle \varepsilon =1} auf die Lösung einer transzendenten Gleichung, sodass die Lösung nicht in geschlossener Form mithilfe von Standardfunktionen darstellbar ist. Konkret wird die Lösung dieser Gleichung daher mittels numerischer Verfahren ermittelt.
Die Umlaufzeit T {\displaystyle T} des Körpers auf einem elliptischen Orbit lĂ€sst sich dagegen direkt aus dem Drehimpulsintegral bestimmten. Da die FlĂ€che der Ellipse A = Ï Ï a 2 1 â â Δ Δ 2 {\displaystyle A=\pi a^{2}{\sqrt {1-\varepsilon ^{2}}}} betrĂ€gt und auĂerdem A = L / ( 2 ÎŒ ÎŒ ) T {\displaystyle A=L/(2\mu )\,T} gilt, folgt:
T 2 = 4 Ï Ï 2 a 3 G M {\displaystyle T^{2}={\frac {4\pi ^{2}a^{3}}{GM}}}
Dies ist genau die Aussage des dritten keplerschen Gesetzes.
Die keplersche Lösung
Johannes Kepler hat das spĂ€ter nach ihm benannte Problem weder aufgestellt noch gelöst. Aber er hat in der kompakten Form der drei Keplerschen Gesetze die resultierenden Bahnen mathematisch korrekt beschrieben. Isaac Newton konnte 1687 die erste Lösung veröffentlichen. Die Keplerschen Gesetze bildeten einen entscheidenden PrĂŒfstein fĂŒr die von Newton geschaffene Newtonsche Mechanik. Genau genommen handelt es sich bei ihnen um die Lösungen des Ă€quivalenten Einkörperproblems, bei dem eine Schwerkraftquelle fest im Raum steht und einen einzelnen Körper anzieht, ohne dass dieser eine RĂŒckwirkung auf die Quelle ausĂŒbt.
Die Lösung des Problems gliedert sich in folgende Teile:
⹠1. und 2. Keplersches Gesetz (gefunden 1599 bis 1609, der Ellipsen- und der FlÀchensatz) und
⹠3. Keplersches Gesetz (1619, in der Weltharmonie veröffentlicht).
âą Die Keplergleichung.
Als mögliche Bahnen (Keplerbahnen) kommen Kreise, Ellipsen, Parabeln und Hyperbeln in Frage. Bei Kreisen und Ellipsen sind die Körper aneinander gebunden wie die Planeten an die Sonne. Ist die Bahnform parabolisch oder hyperbolisch, so findet nur eine Begegnung statt, wie dies z. B. bei manchen Kometen der Fall ist.
Die nebenstehende Zeichnung stellt verschiedene Bahnkurven dar. Sie werden durch ihre numerische ExzentrizitĂ€t Δ Δ {\displaystyle \varepsilon } charakterisiert, die eine nichtnegative reelle Zahl ist. Gebundene Bahnen (Kreise und Ellipsen) haben Δ Δ < 1 {\displaystyle \varepsilon <1} , wobei der Kreis einer ExzentrizitĂ€t Δ Δ = 0 {\displaystyle \varepsilon =0} entspricht. GröĂere ExzentrizitĂ€ten fĂŒhren zu offenen Bahnen (Parabeln mit Δ Δ = 1 {\displaystyle \varepsilon =1} ) und Hyperbeln (mit Δ Δ > 1 {\displaystyle \varepsilon >1} ). Diese offenen Bahnen wurden von Kepler noch nicht erwĂ€hnt.
Zur genauen Beschreibung eines heliozentrischen Planetensystems reicht Keplers Lösung aber nicht aus, denn im Planetensystem wirkt auch die ebenfalls von Newton entdeckte gegenseitige Anziehung aller Himmelskörper. Daher stellt das Keplerproblem eine physikalische Idealisierung dar. Beim Sonnensystem wie bei vielen weiteren astronomischen Systemen ist der Einfluss der weiteren Körper aber relativ gering, sodass die Lösung des Zweikörperproblems eine gute NÀherung der exakten Bahnen liefert. Daher ist die Lösung des Zweikörperproblems die Grundlage moderner Himmelsmechanik.
Inverses Problem: Bahnbestimmung
â
Hauptartikel
:
Bahnbestimmung
Mit der Lösung des Zweikörperproblems ist es möglich, bei Angabe genĂŒgend vieler Anfangswerte die Bahnkurve zweier Himmelskörper, die ausreichend genau als Zweikörpersystem angesehen werden können, zu berechnen. In der Himmelsmechanik steht man allerdings meist vor dem inversen Problem: Aus der beobachteten Bahn sollen die Modellparameter (Anfangswerte) berechnet werden. Mit den oben dargestellten Methoden lĂ€sst sich dann die Position der Himmelskörper fĂŒr die (nĂ€here) Zukunft berechnen, wenn die störenden EinflĂŒsse genĂŒgend klein sind.
Die Anzahl der zu bestimmenden Anfangswerte ist stets durch das ursprĂŒngliche System von Differentialgleichungen gegeben. Da es sich um eine Gleichung zweiter Ordnung fĂŒr die Bewegung zweier Körper im dreidimensionalen Raum handelt, sind dies 2 Ă Ă 2 Ă Ă 3 = 12 {\displaystyle 2\times 2\times 3=12} Parameter. In welcher Form diese zwölf Werte auftauchen, hĂ€ngt allerdings von der konkreten Situation und dem gewĂ€hlten Verfahren ab. Im âbrute-forceâ-Verfahren der direkten numerischen Integration des Ausgangssystems werden beispielsweise fĂŒr jeden der beiden Körper jeweils drei Werte fĂŒr die Startposition und drei Werte fĂŒr die Startgeschwindigkeit gegeben. WĂ€hlt man den oben vorgestellten analytischen Weg, so werden zunĂ€chst drei Startpositionswerte und drei Startgeschwindigkeitswerte fĂŒr die Schwerpunktsbewegung gesucht. Das verbleibende Einzentrenproblem erfordert dann weitere sechs Parameter, die klassischerweise durch die Bahnelemente angegeben werden: zwei Winkel, die die Lage der Bewegungsebene im Raum festlegen (und damit die Lage des Drehimpulsvektors), ein Winkel, der die Lage der Bahn innerhalb dieser Ebene beschreibt (und damit den Nullpunkt des Polarwinkels Ï Ï {\displaystyle \varphi } ), sowie groĂe Halbachse und numerische ExzentrizitĂ€t der kegelschnittförmigen Bahn (die zusammen die Energie und den Betrag des Drehimpulses bestimmen). AuĂerdem muss die Anfangsposition des umlaufenden Körpers als Winkel oder als Zeitbezug durch Angabe der Periapsiszeit angegeben werden. Eine alternative elegante Methode zur Angabe dieser sechs Anfangswerte ist die Angabe zweier zeitlich konstanter Vektoren: des Drehimpulsvektors und des Laplace-Runge-Lenz-Vektors. Allerdings bestimmen diese beiden dreidimensionalen Vektoren nicht sechs, sondern nur fĂŒnf der Bahnelemente, da die Vektoren notwendigerweise senkrecht aufeinander stehen. Daher muss wiederum der Zeitbezug durch Angabe der Periapsiszeit hergestellt werden, oder ein Startwinkel festgelegt werden.
Die wichtigsten Methoden zur Bestimmung der Bahnelemente aus den Beobachtungsdaten gehen auf Isaac Newton, Pierre-Simon Laplace und Carl Friedrich GauĂ zurĂŒck.
Grenzen der Zweikörperlösung
â
Hauptartikel
:
Bahnstörung
Das Zweikörperproblem stellt eine Idealisierung dar, die in konkreten Situationen selten hinreichend genau den Sachverhalt widerspiegelt. Ausnahmen bilden lediglich echte Doppelsterne ohne Planeten oder andere dunkle Begleiter, deren Komponenten weit genug voneinander entfernt sind, sodass Gezeiteneffekte vernachlÀssigbar sind. Als Zweikörperproblem können klassische (nicht-quantentheoretische) Modelle des Wasserstoffatoms betrachtet werden sowie radialsymmetrische Einzentren-Streuprobleme.
Mehrere Körper
In fast allen realen Situationen befinden sich mehr als zwei Körper miteinander in Wechselwirkung. Das Bewegungsproblem mehrerer Körper ist nicht in Ă€hnlicher Weise lösbar, wie dies hier fĂŒr zwei Körper vorgestellt wurde. Schon das Dreikörperproblem, also die Aufgabe der Bahnberechnung, wenn die Wechselwirkung eines dritten Körpers berĂŒcksichtigt wird, ist in der Regel nicht streng lösbar und kann in Allgemeinheit nur numerisch gelöst werden.cite-ref-3body-4-0[A 2] Diese Schwierigkeit setzt sich natĂŒrlicherweise bei der Lösung von Mehrkörperproblemen mit weiteren Komponenten fort. Ausnahmen sind dabei nur hochsymmetrische Konstellationen, bei denen beispielsweise die Körper regelmĂ€Ăige Vielecke bilden, auf einer Linie liegen oder schalenförmig um ein Zentrum ausgedehnt sind. Eine wichtige Anwendung finden solche Anordnungen im Studium der Bewegung kleiner Körper, die sich in einem der fĂŒnf Lagrange-Punkte eines Zweikörpersystems befinden.
Abweichung von der Kugelgestalt
Ein weiteres Problem stellt die Abweichung eines oder beider Körper von der Kugelgestalt dar. Viele astronomische Körper werden nur ungenau durch eine radialsymmetrische Massenverteilung beschrieben. In einigen FĂ€llen lassen sich die Objekte wesentlich genauer modellieren, wenn man sie als abgeplattete Rotationsellipsoide betrachtet. Dies gilt fĂŒr viele Planeten und Sterne, aber auch fĂŒr Spiralgalaxien, die sich gut als flache Scheiben modellieren lassen. Ist dabei einer der beiden Körper wesentlich kleiner als der andere, kann ein solches System als axialsymmetrisches Einzentrenproblem beschrieben werden, das allgemeiner ist als das oben beschriebene, aber weiterhin einer allgemeinen Lösung zugĂ€nglich ist. Sind beide Körper von vergleichbarer GröĂe und nicht in dieselbe Richtung abgeplattet, ist allerdings auch dieser Weg verschlossen. Zudem können GezeitenkrĂ€fte zwischen den Körpern zu dynamischen Verformungen fĂŒhren, wie dies in engen Doppelsternen oft der Fall ist. Diese fĂŒhren zu einer komplexen Dynamik zwischen Rotation der Einzelkörper und der Bewegung der Körper umeinander.
Störungstheorie
Trotzdem ist die Keplerlösung die Basis aller modernen Planetentheorien (wie auch der Mondtheorien und der Bewegungstheorien aller anderen Himmelskörper). Die Bahnen fast aller natĂŒrlichen Objekte unseres Sonnensystems, der meisten Mehrfachsterne und auch von Galaxien sind derart, dass sie sich in erster NĂ€herung durchaus durch die Keplerlösung beschreiben lassen. Die Bahnelemente der Keplerbahnen, die aus den Anfangsbedingungen ermittelt werden, sind dann aber nicht mehr als konstant anzunehmen, sondern werden störungstheoretisch behandelt. Die Bahnelemente, die zu einem gewissen Zeitpunkt gĂŒltig sind, werden dann als oskulierend beschrieben, da sie die Keplerbahn bestimmen, die sich der realen Bahn momentan möglichst genau anschmiegt.
Weiterhin lassen sich die EinflĂŒsse der Störkörper auf das Zweikörpersystem oft ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume mitteln, wodurch die Beschreibung des Problems an Symmetrie gewinnt. Solche EinflĂŒsse fĂŒhren z. T. auf zeitlich konstante oder periodische VerĂ€nderungen der Bahnelemente. Beispiele fĂŒr solche PhĂ€nomene sind unter anderem die gleichmĂ€Ăige Drehung der Apsidenlinie, also der Lage der Keplerbahn in der Bahnebene, und die gleichmĂ€Ăige Verschiebung der Bahnknoten um eine invariante Ebene (die Laplace-Ebene). In der Mondtheorie sind weitere Beispiele solcher periodischen Störungen die Evektion und die Variation.
Zweikörpersysteme in der Allgemeinen RelativitÀtstheorie
â
Hauptartikel
:
Zweikörperproblem in der Allgemeinen RelativitÀtstheorie
Die moderne Gravitationstheorie findet ihre Beschreibung in der Allgemeinen RelativitĂ€tstheorie (ART). Wenn die Massen der zwei Körper hinreichend klein sind, die AbstĂ€nde zueinander relativ groĂ und die Geschwindigkeiten der Körper weit unterhalb der Lichtgeschwindigkeit liegen, kann das System durch den newtonschen Grenzfall der Theorie beschrieben werden. In anderen Worten: Die oben skizzierte Lösung innerhalb der newtonschen Gravitationstheorie bietet eine sehr gute NĂ€herungslösung. Sind die Bedingungen fĂŒr die GĂŒltigkeit des Grenzfalls nicht erfĂŒllt oder sind die Anforderungen an die Genauigkeit sehr hoch, muss das Problem jedoch innerhalb der vollen ART gelöst werden â eine Aufgabe, die sich als wesentlich komplizierter erweist.
Im einfachsten Fall, der glĂŒcklicherweise sehr viele Anwendungen hat, hat einer der beiden Körper eine sehr viel gröĂere Masse als der andere. Es ist dann gerechtfertigt, das kleine Objekt als Testkörper im Feld des groĂen Objektes zu betrachten, d. h., der kleine Körper verursacht keine merkliche RĂŒckwirkung auf den groĂen. Man kann das Problem dann analog zur newtonschen Theorie als allgemeinrelativistisches Einzentrenproblem beschreiben. Auch in der ART erweist sich dieses Problem aufgrund der Radialsymmetrie als gut analysierbar. In Ă€hnlicher Form, wie es oben beschrieben wurde, lassen sich Integrale der Bewegung finden.cite-ref-noether-5-0[A 3] Allerdings fĂŒhrt die Analyse auf eine Radialgleichung, die einen zusĂ€tzlichen Term gegenĂŒber der newtonschen Theorie enthĂ€lt, der in der Folge bewirkt, dass die Bahnen auch bei negativer Gesamtenergie nicht geschlossen sind. Stattdessen sind die Bahnen, wie dies auch fĂŒr Zweikörpersysteme mit anderen Kraftgesetzen als dem newtonschen gilt, Rosettenbahnen. Dieser Effekt hat BerĂŒhmtheit erlangt, da er es ermöglicht, die zusĂ€tzliche Periheldrehung des Merkur zu erklĂ€ren.
Das allgemeinrelativistische Zweikörperproblem in aller Allgemeinheit, also mit zwei Körpern, die miteinander wechselwirken, ist ungleich komplizierter. Da die Anwesenheit der beiden Massen die Raumzeit-Struktur selbst verĂ€ndert, sind Konzepte wie Massenschwerpunkt, Gesamtenergie, Drehimpuls nicht lĂ€nger anwendbar.cite-ref-noether2-6-0[A 4] Daher ist keine Reduktion des Problems auf ein Einzentrenproblem möglich. AuĂerdem ist die Beeinflussung der Raumzeit in der mathematischen Struktur dadurch verankert, dass das Problem nicht durch gewöhnliche Differentialgleichungen, sondern durch partielle Differentialgleichungen beschrieben wird. Die nichtlineare Struktur dieser Gleichungen macht die Lösung der Gleichungen selbst mit numerischen Methoden problematisch. In heuristischer Herangehensweise kann man im allgemeinen Fall versuchen, die klassischen Konzepte nĂ€herungsweise zu ĂŒbernehmen. Diese Beschreibung fĂŒhrt zu Effekten wie der Abstrahlung von Gravitationswellen und einem damit verbundenen âDrehimpulsverlustâ. Die Orbits der Körper beschreiben dann Spiralbahnen um einen gemeinsamen âSchwerpunktâ, die immer enger werden bei kĂŒrzer werdender Umlaufzeit. Die exakte Beschreibung dieser PhĂ€nomene im Rahmen einer post-newtonschen NĂ€herungcite-ref-will-7-0[3]cite-ref-infeld-8-0[4] ist aufgrund ungeklĂ€rter Konvergenzeigenschaften der NĂ€herungen umstritten.
FuĂnoten
cite-note-polar-2A 1. â Zumeist wird auch noch die Substitution u := 1 / r {\displaystyle u:=1/r} durchgefĂŒhrt, sodass man die folgende Differentialgleichung erhĂ€lt: E = L 2 2 ÎŒ ÎŒ ( u âČ 2 + u 2 ) â â G M ÎŒ ÎŒ u {\displaystyle E={\frac {L^{2}}{2\mu }}\left(u'^{2}+u^{2}\right)-GM\mu u}
cite-note-3body-4A 2. â Der Grund dafĂŒr ist nicht, dass eine allgemeine geschlossene Lösung bisher nicht gefunden worden wĂ€re. Es handelt sich vielmehr um eine prinzipielle, beweisbare Eigenschaft der Struktur des Differentialgleichungssystems, die die Existenz einer geschlossenen Lösung nicht zulĂ€sst.
cite-note-noether-5A 3. â Wie im newtonschen Fall ist die Existenz der âIntegraleâ, d. h. von ErhaltungsgröĂen der Bewegung, aus dem allgemeinen Noether-Theorem begrĂŒndbar.
cite-note-noether2-6A 4. â Da es keinerlei Symmetrien gibt, ist die Existenz von ErhaltungsgröĂen nicht aus dem allgemeinen Noether-Theorem ableitbar.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Isaac Newton: Die mathematischen Prinzipien der Physik. Ăbersetzt und herausgegeben von Volkmar SchĂŒller, de Gruyter, Berlin (u. a.) 1999, ISBN 3-11-016105-2, (S. 184 ff., Proposition LVII bis LXIII).
cite-note-32. â Ăgoston BudĂł: Theoretische Mechanik. 4. Auflage. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1967, § 22, S. 104â108.
cite-note-will-73. â Clifford M. Will: Theory and Experiment in Gravitational Physics. Revised edition. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1993, ISBN 0-521-43973-6.
cite-note-infeld-84. â Albert Einstein, Leopold Infeld: On the Motion of Particles in General Relativity Theory. In: Canadian Journal of Mathematics. Bd. 1, 1949, S. 209â241, doi:10.4153/CJM-1949-020-8.
Literatur
Wikibooks: Astronomische Berechnungen fĂŒr Amateure/ Himmelsmechanik/ Zweikörperproblem
â Lern- und Lehrmaterialien
âą Andreas Guthmann: EinfĂŒhrung in die Himmelsmechanik und Ephemeridenrechnung. BI-Wissenschaftsverlag, Mannheim u. a. 1994, ISBN 3-411-17051-4.
âą Archie E. Roy: Orbital Motion. 3rd edition, student text. Adam Hilger, Bristol u. a. 1988, ISBN 0-85274-228-2.
âą Walter Thirring: Lehrbuch der mathematischen Physik. Band 1: Klassische dynamische Systeme. 2., neubearbeitete Auflage. Springer, Wien u. a. 1988, ISBN 3-211-82089-2, (Kap. 4.2).
⹠Hannu Kartutunen, Pekka Kröger, Heikki Oja, Markku Poutannen, Karl J. Donner (Hrsg.): Fundamental Astronomy. Springer, Wien u. a. 1987, ISBN 3-540-17264-5, (Kap. 7).
Weblinks